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Franz-Reinhard Habbel Sprecher des Deutsche Städte- und Gemeindebundes (DSTGB) im Interview

Franz-Reinhard Habbel hat sich dankenswerter Weise für ein kurzes Interview per Email zur Verfügung gestellt.

Können Sie kurz Ihre Tätigkeit für den DSTGB umreißen?

Ich arbeite neben meiner Arbeit als Sprecher an politischen Grundsatzfragen, die Kommunen besonders herausfordern. Dazu gehören insbesondere die Digitalisierung und Globalisierung sowie der demographische Wandel. Kommunikation spielt bei meiner Arbeit die Hauptrolle. Zuzuhören und die Auseinandersetzung mit der Lebenswelt sind zwei weitere Merkmale.

Wie sehen Sie das Feld Öffentlichkeitarbeit bei Kommunen, wird hier genug getan?

Anstelle von Öffentlichkeitsarbeit würde ich lieber von Kommunikation im umfassenden Sinne sprechen. Bürger und Verwaltung befinden sich im gleichen politischen Raum. Dialog und Diskurs ist die Essenz von Politik. Gerade vor dem Hintergrund des Internets und der sozialen Netzwerke hat Kommunikation enorm an Bedeutung gewonnen. Jede Verwaltung muss sich fragen, ob sie genügend kommuniziert beziehungsweise die richtigen Instrumente einsetzt.

Wie setzen Kommunen Medien- / Presse- / Öffentlichkeitsarbeit ein?

Kommunikation ist bei allen Politikfeldern wie Mobilität, Bildung, Energie, Sicherheit und Gesundheit notwendig. Kommunen sollten hier auf einen Medienmix von Text, Bild und Ton setzen. Entscheidend ist es aber, wie die Inhalte verständlich präsentiert werden. Eine Berichterstattung zum Beispiel bei größeren Projekten, die auf reine Fakten beruht, reicht nicht aus. Notwendig ist eine multimediale Darstellung im Erzählstil, die verständlich macht was geplant ist beziehungsweise die das Ziel beschreibt. Ja, es ist eine Art des Schreibens von Geschichten. Je besser das Verständnis der Empfänger, desto weniger Irritationen gibt.

Wie hat sich das Feld hier gewandelt?

Schaut man sich verschiedene Websites der Kommunen an, sieht man, dass diese auf dem richtigen Weg sind. Auch Open-Data ist ein Teil von moderner Öffentlichkeitsarbeit. Bürger und Organisationen können so auf Datenbestände der Kommunen maschinenlesbar zugreifen und mit ihnen arbeiten, um zum Beispiel alternative Pläne zu erstellen.

Haben Sie Best Practice Beispiele für uns?

Das fängt bei der Stadt Coburg an geht über die Städte Ludwigshafen, Arnsberg bis Hamburg und viele andere mehr.

Wie wichtig ist der Medienmix bei der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit?

In wenigen Jahren wird keine Stadt oder Gemeinde mehr an diesem Thema vorbeikommen. Die Videokommunikation wird rasant zunehmen. Immer mehr Bürger erwarten auch von ihrer Verwaltung eine multimediale Darstellung. Etwas Interessantes passiert gerade in der Stadt Idar-Oberstein. Dort wurde von Jugendlichen ein Rap-Video mit Guy-Fawkes-Masken gedreht und auf soziale Probleme bzw. auf die angebliche Perspektiv- und Trostlosigkeit des Ortes hingewiesen. Der Oberbürgermeister begrüßte die Aktivitäten der Jugendlichen. Auf seine Anregung hin soll jetzt ein weitere Video mit dem Titel „Gemeinsam für unsere Stadt“ gedreht werden. Gerade junge Leute müssen heute anders angesprochen werden. Viele von ihnen lesen eben keine Lokalzeitungen mehr.

Hat Print eine Chance hier zu bestehen oder ist Print auf dem absteigenden Ast?

Print hat auch weiterhin eine Chance und bleibt Teil der Medienarbeit der Kommunen. Aber sie verliert an Dominanz. Print bleibt ein Teil der Medienlandschaft. Print wird zielgenauer eingesetzt werden und auf Hintergrundinformationen im Netz verweisen. Allerdings wird der Produktionsprozess weitgehend digital ablaufen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, die alle Kommunen erfüllen müssten, was wäre Ihr Wunsch?

Müssen ist der falsche Ansatz. Ich würde mich freuen, wenn immer mehr Kommunen den hohen Stellenwert von Kommunikation erkennen und ihre Verwaltung entsprechend darauf ausrichten würden. Es sollte darüber nachgedacht werden Dezernate für Kommunikation zu bilden die alle Bereiche von der Bürgerbeteiligung über die Pressearbeit bis hin zum Internetauftritt umfasst.

Woran arbeiten Sie selbst gerade?

Ich arbeite unter anderem an der Frage wie mit der Digitalisierung die Flüchtlingshilfe gestärkt werden kann.

 

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